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05.08.2008

Rede Luk List zur Kranzniederlegung am Mahnmal für den unbekannten Deserteur

Wir stehen hier vor dem Mahnmahl für den unbekannten Deserteur - das mit der symbolhaltigen Inschrift versehen ist:
"Denk-ml an ihn - Denk - mal an den Menschen und an seinen Gewissensentscheid sich gegen Krieg, gegen Greultaten - und sich gegen Kriegsbetreiber zu wenden, gegen sie aufzustehen und nicht mehr mitzumachen: Kein Mitmachen und keine falsche Entscheidung mit verantworten zu wollen - sondern sich gegen weiteres Morden, gegen weiteres Leid und schlimmsten Verwüstungen auch und besonders gegen die Zivilbevölkerung zu wenden."
Eine achtbare und mutige Entscheidung - die unsere volle Anerkennung finden muss und die wir hier in aller Deutlichkeit auch bezeugen wollen.
Die Friedensbewegung hat dafür das Motto gefunden: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin." Eine Sichtweise zu der wir hoffentlich wieder zurück finden, die aber heute von den führenden Politikern mit falschen Vorzeichen hintergangen wird.
Gesellschaftlich aber hat gerade eine derartige Gewissensentscheidung bisher nur Ächtung, Nachteile und Verleumdung mit sich gebracht und dies ist auch bei uns nach wie vor noch heute gesellschaftliche Realität.
Ich muss dabei an den unsäglichen Marineschafrichter Hans Georg Filbinger erinnern, der als CDU Mitglied Ministerpräsident werden konnte und der noch in den letzten Kriegstagen Todesurteile verhängte und diese vollstrecken ließ.
Trotz dieser Schandtaten konnte er in der BRD Ministerpräsident werden. Er wurde nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil. Noch in jüngster Zeit wurde er von einem nachfolgenden Ministerpräsidenten gelobt und als vorgetäuschter Widerstandskämpfer hervorgehoben.
Ein doppelter Schandfleck für unser Land und eine Verhöhnung aller Opfer des Widerstandes gegen die Herrschaft der Nazis.
Das Mahnmal selbst wurde von einer Studenteninitiative entworfen und aufgestellt. Es ist gut gelungen und verdeutlicht das Geschehen sehr anschaulich.
Mit Unterstützung einer SPD Frau aus dem Bezirk Mitte und mit Hilfe des damaligen SPD Fraktionsvorsitzenden Hermann Beddig konnte es erhalten bleiben und erhielt diesen Standort hier vor dem Rathaus.
Wir haben einen Antrag gestellt, es nun zu sanieren und etwas anschaulicher herzurichten. Z.B. auf einen Sockel zu heben, damit es für die vielen auch ausländischer Besucher direkt vor dem Rathaus eindrucksvoller zu sehen ist.
Die FDP Fraktion stimmte - etwas überraschend für uns - mit allen ihren vier Fraktionsmitgliedern unserem Antrag zu. Sie ist bereit - so habe ich es verstanden - sich zu den Unrechtsgeschehen gegen die Gewissensentscheidung vieler Soldaten zu bekennen. Besonders auch deshalb, da eines ihrer Fraktionsmitglieder selbst Stabsarzt und bei der Bundeswehr beschäftigt ist. Eine m.E. anerkennenswerte Einstellung.
Ich hoffe, Dr. Nils Tilsen wird dazu aus seiner Sicht einiges zu sagen können, auch wie es heute um Soldaten steht, die dem Zwang zum militärischen Gehorsam nicht nachkommen wollen oder können.
Zum Gedenken an alle Deserteure in allen Ländern die unter dem gleichen Schicksal der Missachtung und Unterdrückung leiden, auch im Gedenken an deren Familien und ihrere FreundInnen möchte ich hier im Namen aller Anwesenden diesen Kranz niederlegen und damit unsere Achtung und Anerkennung für den Mut zu ihrer Gewissensentscheidung zum Ausdruck zu bringen.
Sie haben für unsere Zukunft vorbildlich gezeigt, dass gesellschaftliche Vorschriften nicht von der eigenen Verantwortung entbinden können, sondern jede und jeder für sich und sein Tun verantwortlich ist. Das gilt auch trotz der leidvollen Erfahrung aus dem letzten Weltkrieg nach wie vor für die heutige Zeit.

Danke


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